
Der 51-jährige Langenthaler Markus Bösiger freut sich über den diesjährigen Vize-Europameistertitel im FIA European Truck Racing Championship. Foto: zvg
| Fahrer Meisterschaft | Team Meisterschaft | |
| 1. D. Vrsecky (414P) 2. M. Bösiger (393P) 3. A. Albacete (372P) |
1. Buggyra Int. Racing System (878P) 2. Koller und Schwemmer Team (633P) 3. Frankie Truck Racing Team (459P) |
Der Einzeltitel konnte Markus Bösiger in der diesjährigen Saison des FIA European Truck Racing Championships zwar nicht verteidigen. Mit Platz 2, hinter seinem tschechischen Teamkollegen David Vrsecky, im Einzel und Platz 1 im Team ist der 51-jährige Langenthaler aber dennoch glücklich.
An der FIA-Meisterfeier am Abend des letzten Rennens (5. Oktober) in Jarama waren im Lager des tschechischen Teams Buggyra International Racing System ausschliesslich strahlende Gesichter zu sehen. Bereits vor diesem Schlussrennen in Spanien hatte festgestanden, dass das schweizerisch-tschechische Duo Markus Bösiger/David Vrsecky den EM-Titel im Team verteidigen konnte. Letztendlich fiel dieser Triumph mit 878 Punkten gegenüber 644 des zweitplatzierten Koller und Schwemmer Teams (mit dem deutsch-französischen Duo Jochen Hahn/Jean-Philippe Belloc) äusserst klar aus. Die Buggyra-Dominanz war damit noch eindrücklicher als in der letzten Saison, in der der Vorsprung auf das zweitplatzierte Truckrace Team Allgäuer (mit dem deutsch-österreichischen Duo Gerd Körber/Egon Allgäuer) 198 Punkte betragen hatte. Zudem hatten Bösiger/Vrsecky in der letzten Saison selbst 98 Punkte weniger gesammelt als heuer.
Bösiger als Siegfahrer
In der letzten Saison, als Bösiger den EM-Titel geholt hatte, totalisierte er am Schluss 378 Punkte, in diesem Jahr reichten deren 393 Zähler nicht mehr zu Platz 1. Diesen machte ihm sein Teamkollege Vrsecky mit 414 Punkten streitig, wobei der Tscheche gleich 93 Zähler mehr einheimste als letzte Saison. «Für uns als Team ist es aus finanzieller Sicht besser, dass David Vrsecky in dieser Saison den EM-Titel geholt hat», weiss Markus Bösiger nur zu gut, dass ein solcher Triumph in Tschechien viel mehr wert ist (vor allem der Sponsoren wegen) als etwa in der Schweiz. Hierzulande werde der Trucksport viel zu wenig wahrgenommen. Dem 51-jährige Langenthaler ist klar, wo die letztendlich 21 Punkte Rückstand auf seinen Teamkollegen auf der Strecke blieben: «Ich hatte zwei Ausfälle, David Vrsecky jedoch keinen.» Das habe letztendlich rund 50 Punkte ausgemacht und die Titelverteidigung gekostet. «So wusste ich bereits nach dem vorletzten Saisonrennen in Le Mans, dass ich nur noch bei einem Ausfall Vrseckys Titelchancen haben würde.» Gemessen an der Anzahl Erfolge, war der Oberaargauer Unternehmer jedoch in der soeben abgelaufenen Saison mit Abstand der beste. «Bei 36 einzelnen Rennen komme ich auf total 15 Siege, Vrsecky hingegen nur auf deren acht», gibt Bösiger zu verstehen. Bei den Podestplätzen hat jedoch Vrsecky (30) gegenüber Bösiger (28) die Nase vorne.
Bestätigung der Topform
Bedenkt man, dass Bösiger vor und während der Saison praktisch keine Tests bestreitet, ist der Vize-EM-Titel um so höher einzustufen. Der Langenthaler, der seit 1999 Truckrennen bestreitet, ist zudem mit seinen 51 Jahren einer der ältesten im Feld. Die anderen diesjährigen Top-Ten-Piloten sind alle viel jünger, David Vrsecky beispielsweise ist 18 Jahre jünger als Bösiger, der ein Naturtalent zu sein scheint. «Fit halte ich mich mit Velotouren, die ich mit einem Freund bestreite.» Solche Ausflüge liegen, aufgrund seiner hohen Arbeitsbelastung, aber auch nur höchstens einmal in der Woche drin. Generell sei der Vize-Meistertitel eine Bestätigung seiner guten Form. «Ich habe die Gewissheit, dass ich trotz meiner 51 Jahre im europäischen Truck Racing noch problemlos vorne mithalten kann.» Dies soll auch in der nächsten Saison so bleiben. «Da will ich vor allem Spass auf den Rennstrecken haben und Geld verdienen», sagt Bösiger, der sein sportliches Ziel für 2009 mit dem Verteidigen des Vize-EM-Titels umschreibt.
Bösigers Wünsche
Nach allfälligen Änderungen im europäischen Truckracing befragt, sagt Bösiger unumwunden: «Könnte ich bestimmen, würde ich das European Truck Racing Championship der FIA wegnehmen und privat veranstalten.» So könnten die einzelnen Teams mehr Geld aus der Angelegenheit herausholen. Zudem würde er sich mehr Samba wünschen: «In Brasilien beispielsweise erreichen die Trucks auf der Rennpiste bis zu 250 Stundenkilometer. Das wäre auch in Europa möglich, wenn man die derzeit rund 5,5 Tonnen schweren Trucks um rund 2 Tonnen leichter machen würde.» Laut Bösiger könnte man die Geschwindigkeit dann von momentan 160 auf etwa 220 km/h limitieren. «Vielleicht würden die Rennen in Europa so noch attraktiver.» Der Langenthaler weiss aber, dass solche Gedanken vorerst nur Wunschdenken sind.
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